Du bist Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und stehst kurz davor, den Warschauer Vertrag zu unterzeichnen — er erkennt die Oder-Neiße-Linie als Westgrenze Polens an. Für viele Deutsche, gerade Vertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten, ist das ein schmerzhafter, endgültiger Verzicht.
Die Opposition wirft dir Ausverkauf deutscher Interessen vor. Selbst in deiner eigenen Koalition gibt es Zweifel. Deine "Ostpolitik" — Annäherung an den Osten statt Konfrontation — ist innenpolitisch hoch umstritten.
Die Unterschrift ist vorbereitet. Die Reise nach Warschau steht bevor.
Der Kniefall von Warschau war in keiner Weise geplant — selbst Brandts engste Berater wussten vorher nichts davon. In einer westdeutschen Umfrage kurz danach fanden rund 48 Prozent der Befragten die Geste "übertrieben". Erst im Rückblick wurde sie zum Symbol deutscher Aussöhnungsbereitschaft.
1971 erhielt Brandt den Friedensnobelpreis, maßgeblich für seine Ostpolitik. 1974 musste er als Kanzler zurücktreten — wegen einer Spionageaffäre um seinen persönlichen Referenten Günter Guillaume, der sich als DDR-Agent entpuppte, in einer Sache, die mit Warschau nichts zu tun hatte.
Mehr zu Willy Brandt auf Wikipedia →
Weitere Histogramme → Übersicht