Das Gericht hat gesprochen: 500 Richter, 280 Stimmen für die Verurteilung. Gottlosigkeit und Verführung der Jugend — das sind die Anklagen. Du weißt, dass sie falsch sind. Die Richter wissen es vielleicht auch.
Dein Freund Kriton kommt in der Nacht. Er flüstert: "Ich habe Kontakte in Thessalien. Geld ist bereit. Du könntest morgen weg sein."
Du bist siebzig Jahre alt. Du hast Athen dein Leben lang gelehrt, dass das Gesetz gilt — auch wenn das Gesetz Unrecht tut.
Und schrieb kein einziges Wort.
Sokrates floh nicht. Er trank den Schierlingsbecher, umgeben von seinen Schülern. Was wir von ihm wissen, wissen wir durch Platon — Sokrates selbst hat nie etwas aufgeschrieben.
Die Fragen, die er stellte, stellen wir heute noch. Was ist Gerechtigkeit? Was schulden wir dem Gesetz? Wann ist Gehorsam Tugend — und wann Feigheit?
Dieselben Fragen. Seit 2500 Jahren.
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