Der Erste Weltkrieg ist verloren, das Kaiserreich gestürzt, die neue Republik keine drei Monate alt. Berliner Arbeiter besetzen spontan Zeitungsredaktionen und öffentliche Gebäude — ein bewaffneter Aufstand, der sich mehr aus Wut und Enthusiasmus speist als aus einem durchdachten Plan.
Du hast selbst Zweifel: die Lage ist nicht annähernd reif für eine erfolgreiche Revolution, die Truppen sind nicht auf der Seite der Aufständischen, eine Niederlage ist wahrscheinlicher als ein Sieg. Aber die Arbeiter, die jetzt auf der Straße stehen, sind genau die Menschen, für die du dein ganzes politisches Leben gekämpft hast.
Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden noch in derselben Nacht von den Freikorps-Soldaten ermordet — außergerichtlich, ohne jedes Verfahren. Luxemburgs Leiche wurde in den Landwehrkanal geworfen und erst im Mai 1919 gefunden. Die Entscheidung war den Tätern zufolge schon vor dem Verhör gefallen, unabhängig davon, wie sich die Gefangenen verhielten.
Keiner der militärischen Befehlshaber wurde je ernsthaft zur Verantwortung gezogen. Luxemburgs Satz "Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden" wird bis heute zitiert — von ganz unterschiedlichen politischen Lagern, oft ohne den Kontext, in dem sie ihn schrieb.
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