Du hast gerade die Silbermedaille über 200 Meter gewonnen — mit einer Zeit, die bis heute australischer Rekord bleiben wird. Tommie Smith holte Gold, John Carlos Bronze. Kurz vor der Siegerehrung kommen die beiden Amerikaner auf dich zu. Sie erzählen dir von ihrem Plan: eine stille Geste gegen Rassismus und für Bürgerrechte, während die US-Hymne gespielt wird.
Sie fragen dich zwei Dinge: ob du an Menschenrechte glaubst. Und ob du an Gott glaubst. Du bist in einer Salvation-Army-Familie in Melbourne aufgewachsen. Ein Ruderer aus dem US-Team, Paul Hoffman, hat noch einen zweiten Anstecker des "Olympic Project for Human Rights" übrig.
Er hält ihn dir hin.
Tommie Smith und John Carlos trugen seinen Sarg.
Bei Normans Begräbnis 2006 fungierten ausgerechnet Tommie Smith und John Carlos als Sargträger — eine Freundschaft, die fast vier Jahrzehnte gehalten hatte. In Australien selbst blieb er lange eine Randfigur der eigenen Sportgeschichte, offiziell nie eingeladen, nicht einmal zu den Olympischen Spielen 2000 im eigenen Land. Sein australischer 200-Meter-Rekord von 1968 bestand bis Dezember 2024 — länger als jeder andere Sprintrekord des Landes.
Erst posthum kam die offizielle Anerkennung: 2012 entschuldigte sich das australische Parlament für die Behandlung Normans, 2018 erhielt er postum den Order of Merit des australischen Olympischen Komitees, 2022 den Dawn Award der Sport Australia Hall of Fame. In Melbourne wurde ihm eine Statue errichtet — mehr als vierzig Jahre nachdem seine Entscheidung ihn eine olympische Karriere gekostet hatte.
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