Zwei Wochen zäher Verhandlungen liegen hinter euch. Die Fronten sind vertraut: reiche Industriestaaten gegen große Schwellenländer, beide misstrauisch gegenüber echten Zugeständnissen. Für dein Land — wenige Meter über dem Meeresspiegel — ist das kein abstraktes Verhandlungsspiel.
Im Geheimen bildet sich eine neue Gruppe: die EU, die USA und mehrere kleine Inselstaaten wollen gemeinsam ein ambitionierteres Abkommen durchsetzen — mit der 1,5-Grad-Marke, regelmäßiger Nachschärfung, langfristigem Ziel null Nettoemissionen. Das Problem: Ihr müsstet dafür eure traditionellen Verbündeten unter den Entwicklungsländern verlassen, die diese Allianz als Verrat an der gemeinsamen Süd-Süd-Front verstehen könnten.
Das Pariser Abkommen wurde am 12. Dezember 2015 von praktisch allen Staaten der Erde angenommen — mit dem Ziel, die Erwärmung deutlich unter 2 Grad zu halten und Anstrengungen für 1,5 Grad zu unternehmen. Die "Koalition der hohen Ambition", zu der auch die Marshallinseln unter ihrem Außenminister Tony de Brum gehörten, gilt als einer der Gründe, warum das Abkommen ambitionierter ausfiel, als viele erwartet hatten.
Heute, gut zehn Jahre später, liegt der Dreijahresdurchschnitt der globalen Temperatur laut Copernicus erstmals über der 1,5-Grad-Marke. Aktuelle Projektionen unter geltender Politik deuten eher auf einen Anstieg um 2,7 Grad hin. Der Saal von Paris jubelte — die Emissionskurve der Welt hat sich davon bislang nicht beeindrucken lassen.
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