Du leitest seit Jahren das Kaiser-Wilhelm-Institut für Zellphysiologie, hast 1931 den Nobelpreis für deine Entdeckungen zur Zellatmung erhalten. Nach den Nürnberger Gesetzen giltst du wegen deines jüdischen Vaters als "Mischling ersten Grades". Kollegen wie Einstein, Haber und Lise Meitner haben Deutschland längst verlassen. Du bist geblieben.
Jetzt versucht das Reichsministerium, dich als Institutsleiter abzusetzen — dein Institut soll einem neuen "Zentralinstitut für Krebsforschung" weichen. Du wirst in die NS-Zentrale in Berlin einbestellt, wenige Stunden bevor deutsche Truppen die Sowjetunion überfallen. Du fürchtest, dass dein Glück nun ausläuft.
Gleichzeitig weißt du: Hitler selbst hat panische Angst vor Krebs.
in demselben Institut, das ihn während der NS-Zeit unbehelligt ließ.
Warburgs Fall bleibt einer der ungewöhnlichsten der NS-Wissenschaftsgeschichte: Während Kollegen wie Einstein, Haber und Meitner fliehen mussten, um ihr Leben zu retten, blieb er unbehelligt in seinem Institut in Berlin-Dahlem — geschützt von Hitlers persönlicher Furcht vor Krebs, einer Krankheit, an der auch dessen eigene Mutter gelitten hatte. Sein Lebensgefährte Jacob Heiss blieb bis zu Warburgs Tod 1970 an seiner Seite.
Wissenschaftlich bleibt sein Vermächtnis bedeutend: Der nach ihm benannte "Warburg-Effekt" — die Beobachtung, dass Krebszellen Energie bevorzugt durch Gärung statt durch Zellatmung gewinnen, selbst wenn Sauerstoff vorhanden ist — gilt bis heute als zentraler Ausgangspunkt der modernen Krebsstoffwechselforschung. Moralisch bleibt sein Fall unbequem: Er verdankte sein Überleben nicht dem Widerstand gegen das Regime, sondern dem eigenen unverzichtbaren Nutzen für dessen mächtigsten Repräsentanten.
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