Du bist Sudetendeutscher, Mitglied der NSDAP, gerade im Gefolge der Wehrmacht ins besetzte Krakau gekommen. Eine insolvente Emaillewarenfabrik namens "Rekord" steht zum Verkauf — mithilfe jüdischen Kapitals lässt sie sich günstig übernehmen. Aus dem nahen Krakauer Ghetto ließe sich zudem billige Arbeitskraft rekrutieren: jüdische Zwangsarbeiter, für die es kaum Lohn zu zahlen gibt.
Du bist Geschäftsmann durch und durch, kein Ideologe. Der Krieg hat den Immobilien- und Arbeitsmarkt in Polen komplett durcheinandergebracht — für jemanden mit Kontakten und Kapital eröffnen sich Chancen, die es in Friedenszeiten nie gäbe.
Die Übernahmepapiere liegen vor dir.
Er selbst starb verarmt in Deutschland.
Nach dem Krieg verlor Schindler sein gesamtes Vermögen — er hatte es fast vollständig in Bestechungsgelder und Schwarzmarktgüter für seine Arbeiter gesteckt. Mehrere Geschäftsversuche in Deutschland und Argentinien scheiterten; zeitweise wurde er von den Menschen, die er gerettet hatte, finanziell unterstützt. Seine Ehe mit Emilie Schindler, die während des Krieges maßgeblich an der Versorgung der Arbeiter in Brünnlitz beteiligt war, zerbrach an seinen zahlreichen Affären; das Paar lebte die letzten Jahrzehnte getrennt, sie in Argentinien, er in Deutschland.
1962 wurde er von der Gedenkstätte Yad Vashem als "Gerechter unter den Völkern" geehrt. Auf eigenen Wunsch wurde er nach seinem Tod 1974 in Jerusalem beigesetzt — als einziges ehemaliges NSDAP-Mitglied, das dort ein Grab hat. Sein Name überlebt heute vor allem durch Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste" (1993), nach dem Roman von Thomas Keneally, der wiederum auf den Erinnerungen der von Schindler Geretteten beruht.
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