Du kehrst von der Solvay-Konferenz in Brüssel zurück — einer Zusammenkunft der besten Physiker der Welt, wo du als einzige Frau unter Männern wie Einstein, Poincaré und Rutherford sitzt. Zu Hause erfährst du: private Briefe zwischen dir und dem Physiker Paul Langevin, einem verheirateten früheren Schüler deines verstorbenen Mannes, sind gestohlen und an die Presse durchgestochen worden.
Die Zeitungen überschlagen sich. Du wirst als ausländische Verführerin dargestellt, die eine französische Familie zerstört. Vor deinem Haus in Sceaux versammelt sich eine wütende Menge. Deine Töchter Irène, 14, und Ève, 7, sind zu Hause.
Gleichzeitig, fast zeitgleich, hat dir das Nobelkomitee gerade den Chemie-Nobelpreis zugesprochen — deinen zweiten. Als erste Person überhaupt in zwei verschiedenen Naturwissenschaften.
Marie Curie erholte sich über gut ein Jahr, teils unter dem Pseudonym "Madame Sklodowska" — ihr Mädchenname —, und kehrte 1913 an ihr Institut zurück, das sie bis zu ihrem Tod 1934 leitete. Sie bleibt bis heute die einzige Person, die Nobelpreise in zwei verschiedenen Naturwissenschaften gewann.
Sie starb 1934 an aplastischer Anämie, vermutlich eine Folge jahrzehntelanger Strahlenbelastung. Ihre persönlichen Notizbücher sind bis heute so radioaktiv, dass sie in der Pariser Nationalbibliothek nur mit Schutzausrüstung eingesehen werden dürfen — voraussichtlich noch für Jahrhunderte.
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