Du hast mit der Ammoniaksynthese ein Verfahren entwickelt, das künstlichen Dünger im industriellen Maßstab möglich macht — ein Beitrag, der eines Tages Milliarden Menschen ernähren wird. Jetzt, mitten im Krieg, hat dich das Militär mit etwas anderem beauftragt: der Entwicklung von Giftgas als Waffe. Bei Ypern steht der erste großangelegte Chlorgasangriff der Geschichte bevor.
Deine Frau Clara, selbst promovierte Chemikerin, nennt dein Vorhaben eine "Perversion der Wissenschaft". Sie hat versucht, dich von weiteren Versuchen abzubringen — vergeblich. Du bist überzeugt: Ein schnelles Kriegsende, mit welchen Mitteln auch immer erreicht, koste am Ende weniger Menschenleben als ein langer Stellungskrieg.
Die Gasflaschen stehen bereit. Die Frage ist nicht mehr, ob der Angriff stattfindet — sondern ob du selbst dabei sein wirst.
auf dem Weg zu einem neuen Forschungsinstitut in Palästina.
Nach seinem Rücktritt emigrierte Haber im Spätherbst 1933 zunächst nach Cambridge. Auf der Reise zu einem geplanten Besuch des im Aufbau befindlichen Forschungsinstituts in Rehovot — dem späteren Weizmann-Institut — starb er, herzkrank, in Basel. Er hatte Deutschland als hochdekorierter Patriot und Kriegsheld gedient und wurde am Ende doch nur als Jude wahrgenommen.
Die bitterste Ironie kam erst später: Eine von seinem Institut mitentwickelte Blausäureverbindung, ursprünglich als Schädlingsbekämpfungsmittel gedacht, wurde unter dem Namen Zyklon B von den Nationalsozialisten in den Gaskammern der Vernichtungslager eingesetzt — unter anderem gegen Verwandte Habers, die in Deutschland zurückgeblieben waren. Gleichzeitig gilt das nach ihm benannte Haber-Bosch-Verfahren zur Ammoniak-Synthese bis heute als eine der folgenreichsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte: Schätzungen zufolge ernährt der damit hergestellte Kunstdünger heute nahezu die Hälfte der Weltbevölkerung.
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