Seit Januar sitzt eure "Endurance" im Packeis des Weddell-Meeres fest — jenem Gebiet, das du selbst später als "den schrecklichsten Teil des schrecklichsten Meeres der Welt" beschreiben wirst. Monatelang habt ihr gehofft, das Eis würde sich rechtzeitig öffnen, damit ihr euer eigentliches Ziel erreichen könnt: die erste vollständige Durchquerung des antarktischen Kontinents zu Fuß.
Jetzt hört ihr, wie der Rumpf unter dem Druck des Eises zu splittern beginnt. Das Schiff wird sinken. 28 Männer, keine Möglichkeit zur Funkverbindung, kein Rettungsschiff in Reichweite, mitten in einer der unwirtlichsten Regionen der Erde.
Du musst der Mannschaft sagen, was jetzt zählt.
Shackleton selbst starb auf seiner nächsten Antarktis-Reise.
Erst beim vierten Rettungsversuch — die ersten drei scheiterten am Packeis — erreichte die geliehene chilenische "Yelcho" am 30. August 1916 Elephant Island und rettete die 22 zurückgebliebenen Männer, nach mehr als drei Monaten Wartezeit unter kaum mehr als zwei umgedrehten Rettungsbooten als Behausung. Kein einziges Mitglied der Endurance-Expedition kam ums Leben — ein bis heute außergewöhnliches Ergebnis angesichts der Umstände.
Shackleton selbst kehrte 1921 mit der "Quest" noch einmal in die Antarktis zurück, starb aber am 5. Januar 1922, kurz nach der Ankunft, an einem Herzinfarkt vor der Insel Südgeorgien — derselben Insel, die er sechs Jahre zuvor zu Fuß überquert hatte, um seine Mannschaft zu retten. Auf Wunsch seiner Witwe wurde er dort begraben, nicht in England. Seine Fähigkeit, unter extremem Druck kühl umzuplanen, gilt bis heute in Führungslehre und Managementliteratur als Fallstudie für Krisenführung.
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