1924 hast du "Les Parfums Chanel" mitgegründet — mit den Brüdern Pierre und Paul Wertheimer als Kapitalgebern. Die Aufteilung: 70 Prozent für die Wertheimers, 10 Prozent für dich, obwohl dein Name auf jeder Flasche steht. Chanel N°5 wurde zum meistverkauften Parfum der Welt, und du hast diese Aufteilung nie als gerecht empfunden.
Jetzt leben die Wertheimer-Brüder als Juden im Exil in den USA. Die deutschen Besatzer haben Gesetze erlassen, die es erlauben, jüdisches Eigentum auf "arische" Eigentümer zu übertragen. Du lebst mit dem deutschen Abwehr-Offizier Hans Günther von Dincklage im requirierten Hôtel Ritz.
Eine offizielle Petition an die Besatzungsbehörden könnte dir die vollständige Kontrolle über deine eigene Parfummarke verschaffen.
und musste am Ende ausgerechnet die Wertheimers um Hilfe bitten.
Die von Chanel angestrebte Übernahme scheiterte an der vorausschauenden Absicherung der Wertheimers: Kurz vor dem Einmarsch der Wehrmacht hatten sie ihre Firmenanteile treuhänderisch an einen nichtjüdischen Geschäftsmann übertragen, sodass Chanels Petition ins Leere lief. Nach Kriegsende erhielten die Brüder ihre Anteile vertragsgemäß zurück.
Als Chanel 1953 aus dem Schweizer Exil nach Paris zurückkehrte und wenig später in finanzielle Schwierigkeiten geriet, blieb ihr nur ein Weg: 1954 bat sie ausgerechnet Pierre Wertheimer um Unterstützung für die Wiedereröffnung ihres Ateliers. Im Gegenzug sicherte er sich auch die Rechte an allen anderen Chanel-Produkten. Nach ihrem Tod 1971 erwarb die Familie Wertheimer auch ihre verbliebenen zehn Prozent — und wurde damit alleiniger Eigentümer jenes Imperiums, aus dem Chanel sie ein Leben lang zu drängen versucht hatte. Bis heute gehört Chanel den Nachfahren der Wertheimers.
Mehr zu Coco Chanel auf Wikipedia →
Weitere Histogramme → Übersicht