Anfang Januar bricht jemand in deine Wohnung ein. Du meldest es der Polizei — und erwähnst dabei beiläufig, dass du den Täter über einen Bekannten identifizieren könntest: einen jungen Mann namens Arnold Murray, mit dem du eine Beziehung hattest. Die Polizei interessiert sich sofort mehr für diesen Nebensatz als für den Einbruch selbst.
Im Verhör fragen sie gezielt nach. Nach geltendem Recht ist jede sexuelle Handlung zwischen Männern strafbar — "grobe Unsittlichkeit", dasselbe Gesetz von 1885, unter dem einst Oscar Wilde verurteilt wurde. Du hast als Kryptoanalytiker im Krieg maßgeblich zur Entzifferung der deutschen Enigma-Maschine beigetragen; davon weiß hier niemand etwas, es ist Staatsgeheimnis.
Du glaubst, es gäbe bald eine Reform — vielleicht eine königliche Kommission, die das Gesetz ändert. Was sagst du den Beamten?
Fast sechzig Jahre später wurde er von der Krone begnadigt.
Der Gerichtsmediziner stufte seinen Tod als Suizid durch Zyanidvergiftung ein — ein angebissener Apfel lag neben seinem Bett. Turing hatte kurz zuvor noch Pläne für die kommenden Monate gemacht, was manche Historiker daran zweifeln lässt, dass er seinen Tod geplant hatte; andere verweisen auf seine bekannte Vorliebe für chemische Experimente in seinem kleinen Heimlabor, die einen Unfall ebenso plausibel machen. Zweifelsfrei geklärt ist die Todesursache bis heute nicht.
Seine Verurteilung kostete ihn nicht nur die Sicherheitsfreigabe für seine Kryptografie-Arbeit, sondern jahrzehntelang auch die öffentliche Anerkennung für seinen Anteil an der Entzifferung der Enigma — ein Beitrag, den manche Historiker für kriegsentscheidend halten. Erst 2009 entschuldigte sich die britische Regierung offiziell, 2013 erfolgte die königliche Begnadigung, und 2017 wurde sie im "Alan Turing Law" auf alle unter demselben Gesetz verurteilten Männer ausgeweitet — allerdings nur auf die bereits verstorbenen.
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